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Arbeitsweise in der digitalen Welt

Anders Arbeiten im Zeitalter des Internet?

Als Internetworker, Telearbeiter, Webworker könnten Sie eigentlich dort arbeiten, wo Sie arbeiten wollen. Ob Home-Office, Bürogemeinschaft, oder als Nomade dorthin ziehen, wohin Sie wollen und dort verbleiben wo Sie sind. Technisch ist alles lösbar. Ein wenig Einblick in diese neue Arbeitsweise und Ausblicke wie sich dies auf Zeiteinteilung und Arbeitsethik ausgibt geben zwei Bücher, die ich Ihnen gerne vorstellen möchte. Es sind dies das Buch von Tim Ferris zu 4h-Arbeitswoche und "Wir nennen es Arbeit" von Holm Friebe und Sascha Lobo. Beides sind Bücher für Selbständige, für Unternehmer, für selbstbestimmte Menschen.

Dass eine solche Arbeitsmoral auch "angestellt" möglich ist, oder dass Anstellung ein guter Start in die Selbstbestimmtheit ist zeigen beide Bücher. Obwohl aus völlig unterschiedlichen Blickwinkel geschrieben, laden Sie beide Bücher in eine neue Lebensweise ein, aber lesen Sie selbst und lassen Sie sich inspirieren:

Timothy Ferriss:
The 4-Hour Workweek, Escape 9-5, Live Anywhere, and Join the New Rich. 2007
Die 4-Stunden-Woche: Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben

Ein Titel, der uns wahrlich von mehr träumen lässt: von der Schokolade ohne Kalorien und der Zigarette ohne Gesundheitsrisiko. Dieses Buch steht bei mir in englischer Ausgabe im Regal, in goldenen Lettern prangt es mir da entgegen, zwischen zwei Palmen eine Hängematte gespannt und darin liegt einer. Mein Traum? Nein, ganz ehrlich, ich arbeite gerne, was natürlich nicht heißt, dass man sich nicht auch Anregungen von anderswo holen kann um vielleicht noch ein wenig erledigt zu bekommen, solange der 36-Stunden Tag noch nicht erfunden ist.

Das Buch ist durch und durch affirmativ, "Yes, we can"- oder besser gesagt "I can", typisch US-amerikanisch, geht es hier viel um Gewinnen und ob man das Gegenüber dabei nun mit dem Ellenbogen schubst oder nach allen Regeln der Kunst besiegt, dies ist kein Kriterium für Herrn Ferris. Aber auch wenn wir den guten Herrn nicht unbedingt als Kindergärtner anstellen würden, lädt er uns ein auf einen interessanten Selbstversuch.
Sein Konzept: Arbeitszeit effektiver machen, radikal reduzieren und den "Ruhestand" vorziehen. Wieso warten auf ein Rentenalter, das Menschen, die nach den 70ern geboren sind, wohl sowieso nicht erleben, wenn man auch jetzt schon leben kann.
Tim Ferris hat ein Buch geschrieben, das uns an die Hand nimmt an unserer Einstellung zu Arbeit und Erwerbsleben und an unserer Arbeitsweise zu arbeiten. Und er zeigt uns viele kleine Ideen, wie er es geschafft hat sein Internet-Business aufzubauen und daneben u.a. noch Tangotänzer zu werden. Ein Buch, das einlädt querzudenken, weiter zu denken und uns viele Ideen dazu gibt, was wir denn alles werden können, da wir ja jetzt endlich groß sind.

Viele Tipps sind nicht neu, nicht alle Tipps sind im deutschsprachigen Markt genauso umzusetzen. Aber deshalb sind wir ja auch alle kreative Unternehmer, weil wir selbst etwas unternehmen, kreativ angehen, neue Wege finden können. Bücher wie das von Ferris sind eine wunderbare extrinsische Motivation um endlich das zu tun, was wir am Besten können. Positiv und mit Freude - und nicht von 9 bis 5 unsere Zeit abzusitzen oder darauf warten befördert zu werden.





Holm Friebe und Sascha Lobo:
Wir nennen es Arbeit: Die digitale Boheme oder: Intelligentes Leben jenseits der Festanstellung. 2006

Natürlich kann man angestellt sein, dass die zwei Buchautoren davon aber nicht viel halten, das verlautet nicht nur der Buchtitel. Aber, wieso auch. Sind doch auch die beiden Mitglieder der "Generation Praktikum", wie es wohl alle zwischen 69-89 Geborenen sind und in die Medienwelt wollen. Sie sammeln viel Erfahrung durch Volontariat, Praktika und Eigenprojekten, kommen selten über einen "Freien Dienstvertrag hinaus". Aber durch die Wunderbare Welt des Webs gibt es ja auch Alternativen.
Dieses Buch ist ein populär-wissenschaftlicher Gesellschaftsentwurf, ein Querschnitt aus verschiedenen theoretischen Ansätzen, kulturwissenschaftlicher wie wirtschaftlicher. Wer mehr mit der Hamburger Schule anfängt als mit der Frankfurter, bekommt hier Nachhilfe, aber auch moderne Entwürfe werden nicht ausgelassen. Bei manchen Passagen macht es durchaus Sinn in Lexikon- oder wikipedia-nähe positioniert zu sein. Aber das Thema wird häppchenweise (nur unmerklich länger als ein ausführlicher Blogbeitrag) aufgerollt. Ein wunderbarer Entwurf wie es zu der Welt des Mitmach-Web, Web 2.0 kam, warum man mit Wölfe erschlagen im World of Warcraft spielend Geld verdienen kann und dass ein neuer Teilbereich unserer modernen Ökonomie entsteht, der teils nach ganz anderen und teils nach wunderbar fairen und demokratischen Prinzipien funktioniert.
Die zwei Autoren glorifizieren die digitale Bohème, auch wenn sie nicht alle Bobos sind (Bourgoise Bohemians nach David Brooks), die sich leisten können was sie wollen, gibt es bei Friebe und Lobo eine durchwegs positive Betonung. Ja doch ein wenig Prekariat und auf den letzten 10 Seiten wird auch auf "Grundeinkommen" (Bürgergeld) und Vorsorgesystem eingegangen (wehe dem der krank oder schwanger wird).
Das Buch ist ein wunderbares Sammelsurium an hippen Begriffen und darübergestreuten theoretischen Konstrukten, wunderbar, um mitreden zu können und mit einem (nicht ganz vollständigem) Verzeichnis verwendeter Literatur um nachlesen zu können. Das Buch hat man an mehreren Abenden oder auf einer längeren Bahnreise ausgelesen.
"Wir nennen es Arbeit" ist rundherum empfehlenswert, es verfolgt eine ähnliche "Yes, we can"-Mentalität wie Ferris, aber eine Welt des Respekts, der Möglichkeiten, der Nachhaltigkeit und des Miteinanders. Das Buch ist viel mehr ein links-liberaler Entwurf urbaner Kultur mit Vernetztheit.

Gerade für Onlineshopbetreiber und Shopbetreiberinnen ist diese Lektüre besonders spannend, weil die Zielgruppe der digitalen Bohème auch jene ist, die gut und gern über das Internet einkauft und Holm und Friebe zeigen uns, wie diese Menschen ticken.



Ein Artikel von: Regina Kainz

Erschienen am 09.06.2009, um 15:53h.


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